Anthranoide (Anthrachinone, Anthrone) [Upd.]

Die Gruppe der Anthranoide nimmt in der Pflanzenheilkunde als Bestandteil fast aller pflanzlichen Abführmittel einen wichtigen Platz unter den Wirkstoffen ein.

Man unterteilt die Anthranoide in 2 Gruppen. Zum einen gibt es die Anthrachinone, die sich überwiegend in der Rhabarberwurzel (u.a. Rhein) befinden und zum anderen die Anthrone, die Bestandteil von Aloe (u.a. Aloin A und B) und von Sennesblättern und -früchten (u.a. Sennosid A und B) sind.

Chemisch gesehen wirken nur die sogenannten Hydroxyanthracen-Derivate (HAD), die man noch mit der Angabe versieht „berechnet als Sennosid B“, um somit einen einheitlichen Standard zu erhalten.

Von Vorteil ist die konzentrierte Wirkung an Ort und Stelle: die enthaltenen Anthrachinone machen sich erst im Dickdarm bemerkbar, vorher sind sie wirkungslos.

 Dort wirken sie auf 3-fache Weise gegen Verstopfung:

  1. es kommt zu einer gesteigerten Peristaltik (Muskelbewegung) des Darms (neuromuskuläre Wirkung),
  2. dadurch, dass dem Darminhalt weder Wasser noch Mineralien entzogen werden, sondern zusätzlich in den Darm gelangen (antiabsorptive Wirkung), erhöht sich das Stuhlvolumen, die Konsistenz wird weicher, bleibt aber noch geformt und dieser Füllungsreiz regt die Darmbewegungen an,
  3. zusätzlich kommt es im Dickdarm zu einer Steigerung der Schleimsekretion.

Die Wirkung der Anthranoide tritt nach 8-12 Stunden ein und ist stark dosisabhängig. Die erlaubte tägliche Höchstdosis sind 30 mg Hydroxyanthracen-Derivate. Vielfach hilft aber auch schon deutlich weniger davon, um die leichte Entleerung des Darms zu ermöglichen.

Die Anwendung sollte kurzfristig und nicht länger als 2 Wochen erfolgen. Sonst besteht das Risiko, zu große Mengen Kalium mit dem Stuhlgang zu verlieren. Dies würde wiederum die Verstopfung verstärken und zu Herzrhytmusstörungen führen.

Tags: , , , , , ,

Eine Reaktion zu “Anthranoide (Anthrachinone, Anthrone) [Upd.]”

  1. Stefan

    Nicht zu verwechseln sind die hier genannten Anthrachinone mit dem reinen Anthrachinon!
    Dieser Stoff wird als Pestizid in der Vogelzucht eingesetzt, ist aber in der EU nicht zugelassen. Er taucht immer wieder mal als Verunreinigung von Lebensmitteln auf pflanzlicher Basis auf, zuletzt bei einem Test von Basilikum-Pesto-Zubereitungen der Stiftung-Warentest (08/2013). Er gilt als potentiell krebserregend, wobei ein Grenzwert bei 0,01 mg/kg gilt.

Einen Kommentar schreiben

Bitte vor dem Abschicken des Formulars ausfüllen! * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen

* *