Verdauungsschnaps, Digestif oder Schwedenbitter

Der Verdauungsschnaps, der auch als Digestif oder Magenbitter bezeichnet wird, hat bei uns eine lange Tradition – auch wenn diese in letzten Zeit etwas in Vergessenheit geraten ist. Grundlage eines Verdauungsschnapses ist in vielen Fällen ein Kornbrand. Aber auch Getränke wie Grappa, Ouzo oder Whiskey, die an Urlaub und ferne Regionen dieser Erde erinnern, wie z. B. Mittelmeer oder schottisches Hochland gehören zu dieser Gruppe.

Die Grundlage für den Kräuterschnaps

Zunächst einmal betrachten wir den verwendeten Alkohol, der als Grundlage für den Kräuterschnaps dient. In den meisten Fällen handelt es sich um Kornbrand. Unter Kornbrand versteht man ein alkoholhaltiges Getränk, bei dem aus Getreide ein klarer Brand hergestellt wird. Als Getreide kommen Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Buchweizen in Frage. Am häufigsten finden sich jedoch Kornbrände aus Roggen und Weizen. Gerste dient in den meisten Fällen zur Gewinnung von Malz (Gerstenmalz) für den Brennprozess.

Je nach Alkoholgehalt bzw. Volumenprozent unterscheidet man Korn (ab 32 Vol.-%) und Kornbrand (ab 37,5 Vol.-%). Ab einem Gehalt von 38 Vol.-% spricht man üblicherweise von Doppelkorn. Die Tradition aus Getreide hochprozentige alkoholische Getränke herzustellen, gibt es in Deutschland vermutlich etwa seit dem 15. Jahrhundert. Bekannt ist in diesem Zusammenhang das erste Kornbrennverbot von 1545. Im Jahr 1789 wurde das erste Reinheitsgebot für das Kornbrennen erlassen; im Jahr 1909 wurde für das gesamte Deutsche Reich ein Reinheitsgebot angeordnet.

Die Herstellung von Korn

Für die Herstellung von Korn wird das entsprechende reife Getreide (Roggen, Weizen) in Mühlen vermahlen und mit heißem Wasser verkleistert. Die dabei entstehende Sauermaische wird mit enzymreichen Malz versetzt. Durch eine Verzuckerung der Getreidestärke entsteht Süßmaische, welche nach Abkühlung mit Hefe vergoren wird. Hierbei bildet sich Alkohol (Ethanol), der als Rohbrand bezeichnet wird. Dieser wird im anschließenden Brennvorgang einer Mehrfachdestillation unterzogen, um unangenehme Geruchs- und Geschmacksstoffe zu entfernen. Bei der Destillation wird das Gemisch zum Sieden gebracht, wobei der Alkohol in Form von Dampf entweicht. Der Dampf wird aufgefangen und durch Abkühlen wieder verflüssigt. Am Ende erhält man ein Kornfeindestillat (Feinbrand) mit einem Alkoholgehalt von etwa 85 Vol.-%., das mit Wasser zum endgültigen Alkoholgehalt verdünnt wird. Je nach Brennerei werden die Kornbrände über Eichenholz gelagert, um entsprechende Buketts zu erlangen. Diese Lagerung kann auch zu einer goldgelben oder bräunlichen Färbung führen, wohingegen der eigentliche Korn klar ist („Klarer“). Abschließend werden die Brände mit hochwertigen Wässern wie z. B. Quellwasser auf die Trinkstärke herabgesetzt und in Flaschen abgefüllt. Weizenkorn gilt als mild, während Roggenkorn etwas kräftiger schmeckt.

Der Zusatz von Kräutern

Um nun aus einem Kornbrand einen Verdauungsschnaps herzustellen braucht man Kräuter. Die Auswahl der Kräuter ist entscheidend für die erzielte Wirksamkeit. Denn Alkohol allein kann zwar ein wohliges Gefühl erzeugen; einen positiven Effekt auf die Verdauung wird man jedoch nur durch die Zufuhr von Kräutern im Schnaps erreichen. Ein weiterer Name für den Verdauungsschnaps ist neben Digestif (französisch für verdauungsfördernd) auch Absacker. Im Gegensatz zum Aperitif wird der Verdauungsschnaps nach dem Essen getrunken. Der Aperitif dient vor der Mahlzeit getrunken zum Anregen des Appetits und zur Überbrückung der Wartezeit bis zum Servieren der Speisen. Der Digestif jedoch kann weit mehr.

Der Einfluss der Bitterstoffe

Die verwendeten Kräuter zeichnen sich durch ihren Gehalt an Bitterstoffen aus. Typische Heilpflanzen, die in einem Verdauungsschnaps Anwendung finden, sind Enzianwurzel, Angelikawurzel oder Wermutkraut. Diese zeigen positive Effekte auf die Sekretion – also die Ausschüttung – von Verdauungssäften. Nur mit Hilfe dieser ist die Zerkleinerung der Nahrung nach dem Kauen überhaupt möglich. Enzyme spalten die verschiedenen Nahrungsgruppen wie Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette auf. Ist die Aufspaltung unzureichend, merken wir das und verspüren ein Völlegefühl, Bauchschmerzen und oftmals Blähungen. Gerade die Ausschüttung des Gallensaftes für die Verdauung der Fette und die Ausschüttung des Bauchspeicheldrüsensaftes für die Eiweißverdauung lassen sich durch Bitterstoffe fördern. Auch die Motorik bzw. Motilität – also die Beweglichkeit – des Verdauungstraktes wird durch die Bitterstoffe angeregt. Der Speisebrei liegt nicht so lange im Magen, sondern wird weiter im Darm voran bewegt. Zusätzlich wird den Bitterstoffen eine stärkende Wirkung nachgesagt. Dies erklärt ihr Einsatzgebiet als Roborantia, als Mittel zur Kräftigung des Organismus, bei starker Beanspruchung oder etwa nach längerer Krankheit zur Verkürzung der Rekonvaleszenz. Durch die regelmäßige Anwendung von Bitterstoffen können Leber und Niere in ihrer Funktion gestärkt, Blutfette gesenkt und auch der Blutzuckerspiegel positiv beeinflusst werden. Durch eine bessere Aufnahme des oftmals „problematischen“ Vitamins B12 aus dem Verdauungstrakt, wird die Blutbildung gefördert. Weiterhin erreicht man durch den Einsatz von Bitterstoffen eine Anregung der Basenbildung – ein entscheidendes Mittel gegen die oftmals nach und nach einsetzende Übersäuerung des Körpers.

Der Schwedenbitter

Als Verdauungsschnaps eignet sich auch die Verwendung eines Schwedenbitters: In Jacobus-Schwedenbitter und Jacobus-Schwedenbitter trinkfertig finden Sie wertvolle Bitterstoffe für eine gesunde Verdauung.

 

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Eine Reaktion zu “Verdauungsschnaps, Digestif oder Schwedenbitter”

  1. Hannah

    Das ist ein sehr hilfreiches Blog! Ich habe zur Ergänzung der Thematik noch einen Artikel gelesen, der alles gut zusammenfasst: http://pagewizz.com/maria-treben-schwedenbitter/
    Herzliche Grüße

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