Es war ein mal ein Märchen – Sennes

Nach dem ersten Artikel zum Thema Abführmittel soll im zweiten Artikel mit dem oftmals verbreiteten Irrglauben rund um das Thema Sennes aufgeräumt werden. Sennesblätter und Sennesfrüchte sind ein seit vielen Jahrhunderten (!) eingesetztes Abführmittel. Bereits die alten Ägypter kannten und verwendeten Sennes und auch der Arzt und Philosoph Theophrast Bombast von Hohenheim, besser bekannt unter dem Namen Paracelsus, nutzte im 16. Jahrhundert die Wirkungen von Sennes.

Als Abführmittel verwendet werden die Blätter und Früchte der beiden Sennes-Arten Cassia angustifolia(sog. Tinnevelly-Senna) und Cassia senna(sog. Alexandriner-Senna). Ursprünglich stammen Sennesgewächse (Cassia-Arten) aus tropischen und subtropischen Gegenden in Nordafrika und im Mittleren Osten. In Mitteleuropa sind sie etwa seit dem 13. Jahrhundert, also schon vor Paracelsus Zeiten, bekannt. Die Wirkstoffe für die abführende Wirkung sind die sogenannten „Anthranoide“.

Wurde Sennes früher auf der einen Seite belächelt und wie viele Heilpflanzen als „Medizin von gestern“ tituliert, wurde sie auf der anderen Seite verteufelt, da man ihr – inzwischen widerlegte – negative Eigenschaften zugesprochen hat.

Zur ersten Aussage gilt es zu erwähnen, dass Pflanzen und Pflanzenbestandteile zu den ersten Arzneien überhaupt gehörten, die unsere Vorfahren einsetzten. Chemische Arzneistoffe sind zum größten Teil eine Erfindung des letzten Jahrhunderts. Gerade bei einer Pflanze wie Sennes können Wissenschaftler und auch Verwender demnach auf eine jahrhundertelange Anwendung zurückschauen. Dies hat den Vorteil, dass nicht mit plötzlich auftretenden Nebenwirkungen zu rechnen ist, die kein Wissenschaftler kennt und erklären kann. Die Sennespflanze ist bis ins kleinste Detail untersucht und analysiert und ihre Inhaltsstoffe sind genauestens bekannt. Böse Überraschungen sind demnach ausgeschlossen.

Viele Laien sind der Meinung, dass man mit einem pflanzlichen Arzneimittel niemals den gleichen Effekt erreichen kann wie mit einem chemischen Medikament. Als Gegenbeispiel sei hier der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) genannt, eine Pflanze, deren Extrakte zur Behandlung von Herzerkrankung eingesetzt werden: bereits in niedrigster Dosierung zeigt dieser Extrakt deutliche und starke Effekte am Herz.

Die zweite Aussage, dass Sennes vielfältige Nebenwirkung mit sich führt, muss genauer betrachtet werden und glücklicherweise können auch diese Thesen widerlegt werden.

Zunächst soll betont werden, dass Sennes den großen Vorteil bietet, dass es nicht den gesamten Darm entleert wie etwa Glaubersalz, sondern nur den letzten Abschnitt des Dickdarms. Diese schonende und natürliche Entleerung ähnelt der gesunden Entleerung ohne Abführmittel, so dass der Patient nicht wie bei dem drastischen Glaubersalz länger warten muss, bis sich der Darm erneut wieder füllt. Eine solche Situation würde den wiederholten Griff zum Abführmittel fördern, bevor überhaupt eine Darmfüllung eintreten kann.

Sennes zeigt ihre Wirkung etwa 8 bis 12 Stunden nach der Einnahme, weshalb sie am besten abends eingenommen bzw. getrunken werden sollte. Würde Sennes drastischer wirken und die Wirkung den gesamten Darm betreffen, so träte der Effekt früher ein. Die Dauer von 8 bis 12 Stunden gibt dem Verwender auch eine gewisse „Planungssicherheit“, wann er in der Nähe eines stillen Örtchens sein sollte.

Hier nun einige der oftmals zitierten Vorurteile:

  • Sennes soll zu einem Kalium- bzw. Elektrolytverlust führen, wodurch sich der Patient in einen Teufelskreis bewegt und ohne Abführmittel gar nicht mehr zur Toilette kann. Bei bestimmungsgemäßen Gebrauch, also einer Dosierung, die einen weichen, aber nicht flüssigen Stuhl erzeugt, sind Elektrolytverluste nicht von Bedeutung. Demnach befindet sich der Verwender auch nicht auf dem Weg in einen Teufelskreis.
  • Anthrachinone sollen toxisch, also giftig sein. Da Sennes das am besten untersuchte Abführmittel überhaupt ist, kann mit Sicherheit gesagt werden, dass es zu keinen toxischen Effekten durch Sennes kommt – auch nicht bei einer Langzeitanwendung.
  • Sennes soll Darmkrebs verursachen. Auch diese These gilt sicher als widerlegt. Die Langzeitanwendung von Sennes kann zu einer Einlagerung von Farbpigmenten in die Darmschleimhaut führen. Diese so genannte Pseudomelanosis coliirritierte Ärzte früher bei durchgeführten Darmspiegelungen. Die Vermutung, es könne sich um eine Krebsvorstufe handeln, lag nicht fern. Doch inzwischen ist sicher, dass diese Färbung harmlos ist. Bei einer Darmspiegelung bringt sie sogar eher Vorteile, da Polypen und ähnliche Darmgeschwülste besser sichtbar werden.

Zusammengefasst lassen sich folgende Punkte festhalten:

  1. Abführmittel sind für eine große Anzahl Menschen unerlässliche Medikamente zur Behandlung einer Verstopfung!
  2. Ein Mittel der Wahl – auch zur Langzeitanwendung – stellt das lange bekannte, gut untersuchte und sichere Abführmittel Sennes dar!

Wir empfehlen z.B. Jacobus-Schwedenkräuter

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